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Das Schütteltrauma

Schütteltrauma

Beitrag für Projekt Info-Kampagne Schütteltrauma "Schütteln verboten"

Abkürzungen: ST Schütteltrauma

SBS Shaken Baby Syndrome Definition:

Unter Schütteltrauma (ST), bzw. Shaken Baby Syndrome (SBS) versteht man folgende Befundkonstellation bei Säuglingen:

  • Bewusstseinsstörung, ev. Krämpfe
  • Charakteristische, meist verschieden alte Blutansammlungen im Schädel,
  • Netzhautblutungen, ein- und/oder beidseitig
  • ev. Griffmarken an den Oberarmen o. seitlich am Brustkorb
  • ev. bestimmte charakterist. Brüche an langen Röhrenknochen

Vorkommen:

Bis 10% aller Kindesmisshandlungen betreffen das Gehirn, 80% davon kommen im 1. Lebensjahr vor. Schätzungen zufolge sind bis zu 80% der Todesfälle an Gehirnverletzungen bei Säuglingen auf nicht zufällige Verletzungen zurück zu führen. Somit stellen sie die häufigste Todesursache bei Säuglingen im 2. Lebenshalbjahr dar.

Das Vorkommen wird mit 15-30/100.000 Kinder/Jahr angegeben. In Österreich würde das eine Anzahl von 20-25 Fällen/Jahr bedeuten.

 

 

 

Pathophysiologie:

Das Vollbild eines ST erfordert gewaltsames u. heftigstes Hin- u. Herschütteln eines Säuglings, wodurch der Kopf unkontrolliert vor u. zurück geschleudert wird bzw. umherrotiert. In der Folge kommt es einerseits zu einem traumatisch bedingten Atemstillstand durch mechanische Alteration am oberen Halsrückenmark und andererseits zu Verletzungen u. Zerreißungen von Gefäßen u. Nervenverbindungen. Beide Mechanismen führen zu einer Hirnschwellung u. somit zu einer schweren diffusen Hirnschädigung.

Nach Schilderungen geständiger Täter wird ein Säugling beim ST in einem Zeitraum von etwa 5 - 10 Sekunden ca. 10 - 30-mal geschüttelt. Um die für das ST typischen Gehirnschäden hervorzurufen ist eine erhebliche physikalische Krafteinwirkung erforderlich.

Jedenfalls führt das volkstümlich übliche "etwas Schütteln", "Umherschlenkern", Hochnehmen eines Säuglings ohne Kopfunterstützung, Vibrationen u. Erschütterungen durch einen Rettungstransport, forscher bzw. ungeschickter Umgang mit einem Säugling u.ä. nicht zu diesen schweren Verletzungen.

Prädisponierend ist d. sog. "Hauptschreialter" von 2-5 Monaten sowie folgende anatomische Besonderheiten von Säuglingen:

  • überproportional großer Kopf mit relativ hoch sitzendem Gehirn,
  • geringere Festigkeit d. Hirnhäute,
  • höherer Wassergehalt d. Gehirns,
  • schwache Nackenmuskulatur u. somit kaum vorhandene Kopfkontrolle und letztlich
  • physisches Ausgesetztsein einem wesentlich größeren u. stärkeren erwachsenen Misshandler (Massenunterschied 10-20:1).

Der biomechanisch u. prognostisch relevante Mechanismus der Hirnschädigung ist Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Diskussion. Mit Sicherheit kann aber festgestellt werden, dass Säuglinge, die schwere neurologische Störungen u. Spätschäden aufweisen, direkt nach dem Schüttelereignis auch für Laien erkennbar auffällig sind. Weiters steht fest, dass der Vorgang des Schüttelns für sich alleine im Stande ist, diese massiven Befunde hervorzurufen, ohne dass der Kopf gegen harte Flächen oder Kanten geschlagen wird.

 

Symptome:

Das Spektrum d. neurologischen Auffälligkeiten umfasst Irritabilität, Trinkschwäche, Schläfrigkeit, Apathie, cerebrale Anfälle, Atemstörungen, Erbrechen bis hin zum Koma u. Tod.

Bezüglich der oben beschriebenen klinischen Symptome ist eine weitere Besonderheit des ST hervorzuheben: sie treten, im Gegensatz zu vielen anderen neurologischen Verletzungsmustern, ohne oder mit nur kurzer Latenz nach dem Trauma auf. Auch dies deckt sich mit Aussagen geständiger Täter. Wenn das Schütteltrauma in seiner Ausprägung auch sehr variabel sein kann, so ist ein Säugling nach einem ST primär niemals unauffällig.

 

Prognose:

Die Prognose ist schlecht: 20 - 25% sterben in den ersten 6 Wochen nach dem Trauma, von den Überlebenden haben 75 - 80% schwere neurologische Defizite bzgl. Sehen, Hören, Sprechen u. Entwicklung.

W.Novak, Mai 2008

Literatur:

Das Shaken Baby Syndrome - Konzepte u. forensische Kontroversen. B. Herrmann, J. Sperhake, Zeitschrift d. DGgKV, Jahrgang 8, 2005, S. 4-17; Update v. 07.02.2007

Shaken Baby Syndrome: theoretical and evidential controversies. RA Minns, J R Coll Physicians of Edinburgh ; 2005; 35:5-15

Fall or shaken: Traumatic Brain Injury in Children Caused by Falls or Abuse at Home - A Review on Biomechanics and Diagnosis. M. Oehmichen et al. Neuropediatrics 2005; 36:240-245

Nichtakzidentelle Kopfverletzungen und Schütteltraumasyndrom - klinische u. pathophysiologische Aspekte. B. Herrmann, W. Novak, G. Pärtan, J. Sperhake, Monatsschrift f. Kinderheilkunde, in Press

 

Dr. Wolfgang Novak

FA f. Kinder- u. Jugendheilkunde Abt. f. Kinder- u. Jugendheilkunde

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